Der alte Veitstanz

Wer hätte auch das gedacht? Da gibt das Handelsunternehmen Kriegbaum ein Gutachten in Auftrag, in welchem erkundet werden soll, ob seine (ganz eigensüchtigen) Ansiedlungspläne für Bretten taugen! Sie haben die genau richtige Größe, fast auf den Quadratmeter, und was dort verdient werden kann, trifft nicht nur Kriegsbaums Vorstellungen, sondern es tut sogar noch dem Städtchen gut: Weil Kaufkraft, die Bretten in die Nachbarschaft verloren hat, „zurückkommt“.

Man könnte über so starken Tobak, über soviel Zweckoptimismus herzlich lachen, setzte der Brettener Gemeinderat auf diese Blauäugigkeit nicht noch seine eigene. Das Jonglieren mit Brettener Wirtschaftszahlen, mit Analysen über die Schwächen des Einzelhandels hat es seit den 80er Jahren immer wieder gegeben. Da sind international bekannte und renommierte Büros mit den Brettener (Handels-)Sorgen belästigt worden, und da haben auch Studentengruppen sich mit Marketingkonzepten geplagt. Es fiele der Stadt wohl schwer, genau aufzulisten, wieviel, und wie oft sie hat „gutachten“ lassen. Und jedesmal haben die Ergebnisse nicht gefallen. Mal dem Gemeinderat nicht. Mal dem Einzelhandel nicht.

Diesmal aber scheint der Kriegbaum-Gutachter genau den Geschmack des Gemeinderates getroffen zu haben: Denn er soll jetzt (im Auftrag der Stadt) noch untersuchen, wie es denn für den Innenstadthandel aussieht, wenn Kaufland auf der Diedelsheimer Höhe noch stärker auftrumpft, wenn im dortigen Möbelmarkt ein „Shop-in-Shop-Laden“ entsteht, und wenn der Handelshof seine Stadtfiliale an einen anderen Betreiber (an Kriegbaum?) verhökert?

Ist das des Gemeinderats Ernst? Der von Kriegbaum bezahlte Gutachter soll jetzt die Pläne von dessen Konkurrenten „begutachten“? Soviel Einfalt hat schon Größe.
Hinter der ganzen Gutachterei steckt nur der alte Brettener Veitstanz: Immer im Kreis herum und leeres Stroh gedroschen. Wie meinte Kurt Häffner: Der Bürger erwartet jetzt eine Entscheidung.

Die könnte schon in der nächsten Sitzung des Gemeinderates am 17. Dezember fallen — meinte der OB. Im gleichen Atemzug hat er sich für den Rat ein neues Gutachten bestellt. Das will aber die Stadt nicht bezahlen. Das soll der Besitzer von „Einkaufland“ tun. Ein Gutachterbüro müßte man haben! In Bretten wäre noch viel, viel Geld zu machen.
ws

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6 Antworten zu Der alte Veitstanz

  1. G. H. sagt:

    Die bisherige „Gutachteritis“ hat ohne erkennbaren Nährwert absolut Nichts gebracht – nur Kosten zu Lasten der Brettener Steuerzahler, statt den ohnehin nicht vorhandenen eigenen Sachverstand einzusetzen, weil ja sonst die „Gutachteritis“ überflüssig gewesen wäre! 🙁

    Was hat die Steuerzahler allein die „Gutachteritis“ in Sachen „städtischer Einzelhandel“ bisher gekostet. Der Stadtkämmerer könnte diese Kosten als Fleißaufgabe seines Amtes deklarieren und sie im Wege der Öffentlichkeit und Transparenz in einer der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzungen preisgeben! Die Bürgerschaft hätte gewiss große Freude daran! 🙂

    Wurden bei der Vergabe von Gutachten stets die entsprechenden vergaberechtlichen Vorschriften berücksichtigt? Wer kann das beantworten?
    Gutachterkosten im Bereich der städtebaulichen Planung – soweit dies rechtlich möglich ist – kann man den Investoren auferlegen. Wurde das bei der städtebaulichen Aktivität in Bretten berücksichtigt?

  2. Matz sagt:

    der Artikel ist heute aktueller denn je!!!

  3. ghg sagt:

    Der alte „Veitstanz“ wird weiter getanzt mit nur zwei Beispielen: Edeka-Markt auf der Diedelsheimer Höhe – anhängig beim Verwaltungsgericht Karlsruhe – und Bebauung Sporgassen-Parkplatz getreu der kommunalen Maxime: Die tun was!

    Davon hebt sich die Meinung der Leser ab:

    „Bitte um eine Fahrgelegenheit“ von Waltraud Dietrich in Bretten Ruit in den Brettener Nachrichten am 21. Januar 2012.
    Auch der Ruiter Ortsvorsteher Aaron Treut will noch nicht aufgeben.

    Geht es um Großprojekte in Millionen-Euro, dann legt sich die Stadt für völlig freiwillige Aufgaben – Daseinsberechtigung ihrer kommunalen Wirtschaftsförderung – aber sowas von ins Zeug.
    Die Pflichtaufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge für ihre Bürger werden bestenfalls am Rande wahrgenommen und so bezeichnet: „Er habe dabei kein Glück gehabt“ (Ortsvorsteher Treut). Wobei ich Herrn Treut ehrliche Bemühungen unterstelle.

    In Bretten ist man auch für die Menschen da! Diese Tatsache stellt sich allenfalls einerseits als sehr betulich und andererseits als äußerst schräg dar.

  4. mm sagt:

    ein Artikel der, obwohl sich die Gutachten und der Gutachter geändert haben, nichts von seiner Aktualität verloren hat! An was das wohl liegen mag?
    Zum ersten bestimmt an einem Journalisten, der den Brettener „Veitstanz“ durchschaut hatte und sich getraute den Herren Gemeinderäten den Spiegel vorzuhalten und zum zweiten sicherlich einfach daran, dass sich die Geisteshaltung der Brettener „Entscheider“ seit den 70er Jahren nicht geändert hat.
    Damals stellte schon eine Autorin der „Zeit“ nach der Lektüre des Buches „Eine kleine Stadt wird geröntgt“, der Soziologin Benita Luckmann, fest, dass manche Entscheidung des Gemeinderates wohl aus „lokalem Wahn und Inzuchtdenken entstandene Selbstversorgung“ seien…

  5. a-s sagt:

    Bereits vor dreizehn Jahren war es mit dem Überblick über konkrete Zahlen nicht weit her!

  6. Tim sagt:

    „Es fiele der Stadt wohl schwer, genau aufzulisten, wieviel und wie oft sie hat „gutachten“ lassen.“

    Sicherlich nicht besonders schwer!
    Besser dann wohl schwer, weil andernfalls die Brettener Steuerzahler ihren Unmut darüber gezeigt hätten?

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