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aktualisiert am 09.11.2004
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Müllinitiative
- Stoppt die thermische Müllbehandlung
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Bürgerinitiative für Umweltschutz
Bretten, Kraichgau, Stromberg e. V.
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Kurz-Chronologie:
Ein erstes Treffen fand am 18.07.1994 im Rathaus von Bretten-Gölshausen
statt. Die Bürger wurden über die für Gölshausen geplante Müllverbrennungsanlage,
den "Müllglühofen", informiert; hier sollte der Müll aus
dem Landkreis Ludwigsburg thermisch behandelt werden. Die offene
Organisationsform war für die zunehmenden Aufgaben nicht mehr praktikabel,
deshalb gründete sich am 17.10.1994 der gemeinnützige Verein "Müllinitiative
- Stoppt die thermische Müllbehandlung. Bürgerinitiative für Umweltschutz,
Bretten, Kraichgau, Stromberg e. V.".
Der aus neun Personen bestehende Vereinsvorstand umfasst Mitglieder
der maßgebenden Parteien, der CDU, der SPD, den GRÜNEN und den FREIEN
WÄHLERN. Zum Vorsitzenden wurde Philipp Renner (Gölshausen) und
zum Stellvertreter, Rolf Neupert (Oberderdingen) gewählt. Das Amt
des Schriftführers erhielt Dieter Paschke (Gölshausen) und Helmut
Weber (Gölshausen) übernahm die Tätigkeit des Vereinskassierers.
Als Beisitzer arbeiten in der Vorstandschaft mit: Dietrich Dorn
(Gondelsheim), Helmut Eberhardt (Flehingen), Hildegard Macke (Gölshausen),
Otto Mannsdörfer (Bretten), Jürgen Schäfer (Sternenfels).
Durch die ausschließlich sachorientierte, nachprüfbare und fachlich
kompetente Informationsarbeit erreichte die überregionale Bürgerinitiative
in kurzer Zeit eine hohe Akzeptanz in der Region und war ein gesuchter
Gesprächspartner bei den politischen Gremien und den gewählten Entscheidungsträgern. Die
ca. 200 Vereinsmitglieder kommen aus den Orten: Bretten mit seinen
Ortsteilen, sowie aus Flehingen, Freudenstein, Gondelsheim, Großvillars,
Knittlingen, Kürnbach, Oberderdingen, Sternenfels, Sulzfeld und
Zaisenhausen.
Aus der Arbeit der Bürgerinitiative für Umweltschutz:
- Mehrere Vorstandsmitglieder nahmen an Fortbildungsveranstaltungen
und Fachseminaren zur Müllbehandlung teil.
- In vielen Informationsveranstaltungen wurden die Menschen
der gesamten Region kontinuierlich über die geplante Müllverbrennungsanlage
informiert, unter anderem in Bretten, im Rathaus von Zaisenhausen,
im Rathaus von Knittlingen, in Oberderdingen, in Sternenfels,
etc. .
- Die Bevölkerung dokumentierte mit über 15 000 Unterschriften
ihre eindeutige Ablehnung zu dem Vorhaben „Müllglühofen"
und legitimierte dadurch die Bürgerinitiative als ihre Interessenvertretung.
- Es entstand ein Netzwerk mit einer intensiven Zusammenarbeit
zu den Initiativen im Kreis Ludwigsburg, in Karlsruhe, in Pforzheim
und in Mühlacker.
- Ein Schwerpunkt der Arbeit waren direkte Kontakte und die
ständige Weitergabe von Fachinformationen an die Gemeinderäte,
die Abgeordneten aller Parteien, die zuständigen Gremien und
an die Landräte der Kreise Ludwigsburg und Karlsruhe.
- Durch eine intensive und langwierige Informationsarbeit
gelang es, die sechs Umlandgemeinden: Gondelsheim, Kürnbach,
Oberderdingen, Sulzfeld, Sternenfels und Zaisenhausen zu einer
gemeinsamen Ablehnungsresolution zu bewegen. Die Stadt Knittlingen,
die Ortsverwaltung Gölshausen und die Stadt Bretten verabschiedeten
eigene Resolutionen.
- Als erste Bürgerinitiative in Baden-Württemberg nahmen mehrere
Vorstandsmitglieder mit einem Rechtsanwalt am Scopinggespräch
(Vorantragskonferenz hinsichtlich der geplanten Restmüllsplittinganlage
mit Tunnelglühofen in Bretten-Gölshausen) im Regierungspräsidium
in Karlsruhe teil.
- Wiederum als erste Bürgerinitiative im Lande traf sich der
Vorstand in Stuttgart mit Herrn Umweltminister Schäfer und dem
Landtagsabgeordneten Herrn Wintruff im Umweltministerium zu
einem regen Meinungsaustausch.
- Der neu gewählte Landrat des Kreises Ludwigsburg, Herr Haas,
wurde persönlich während eines Treffens mit dem Vereinsvorstand
im Landratsamt in Ludwigsburg informiert. Als Resultat der Informationen
erhielten Wirtschaftsprüfer den Auftrag, die AVL (Abfallverwertungsgesellschaft
des Kreises Ludwigsburg) zu kontrollieren. Das Ergebnis des
Gutachtens zeigte einen „Müllskandal" mit über 100 Millionen
DM Schaden (Mühlacker Tagblatt vom 18.04.1996) für den Kreis
Ludwigsburg auf. Daraufhin wird das Projekt Müllglühofen für
Gölshausen gestoppt und der AVL Geschäftsführer fristlos entlassen.
- Im Herbst 1998 nahm der Kreis Ludwigsburg endgültig von
dem Vorhaben der Müllverbrennung in Bretten-Gölshausen Abstand.
- Der bereits 1996 an den Kreis Ludwigsburg
ausgelieferte und 4,5 Millionen DM teuere Müllglühofen stand
bis 1999 auf der Mülldeponie in Horrheim als Investitionsruine.
Zwischenzeitlich fand der „Müllofen" zu einem Schrottpreis
einen Käufer.
- Die Bürgerinitiative stiftete aus ihrem Vereinsvermögen
einen vierstelligen DM-Betrag zum Ankauf von Kastanienbäumen
zur Luft Verbesserung. Mehrere Vereinsmitglieder führten die
Pflanzung der fünf Bäume auf dem neugestalteten Rathausplatz
in Gölshausen aus.
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Fazit :
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Ohne die Bürgerinitiative wäre der bereits ausgelieferte
und von dem Kreis Ludwigsburg bezahlte Müllglühofen
in Gölshausen gebaut worden mit allen daraus resultierenden
Nachteilen; besonders sei hier auf das hohe gesundheitliche
Gefährdungspotential der Luftschadstoffe hingewiesen.
Durch den Einsatz der Bewohner wurden die erheblich
zusätzlichen Schadstoff-Emissionen verhindert, die systembedingt
bei einer derartigen Müllbehandlung entstehen. Außerdem
war nur durch die Abwendung der Müllverbrennungsanlage
auf diesem großen Areal die Ansiedlung von neuen Industriefirmen
möglich.
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Die engagierten Bürgerinnen und Bürger aus der Region
Bretten, Kraichgau und Stromberg nahmen ihre demokratische
Wächterfunktion wahr und konnten einen großen Schaden
von ihrem Lebensraum abwenden. Die erfolgreiche Arbeit
der Bürgerinitiative ist ein gelungenes und nachahmenswertes
Beispiel einer gelebten Demokratie für das Allgemeinwohl.
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Text : Philipp Renner
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